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Digitalisierung - „Ausgelernt“ gibt es nicht mehr

Arbeitswelt Die Digitalisierung betrifft fast alle Berufe. Wer nicht bereit ist, lebenslang dazuzulernen, wird es künftig schwer haben, warnt der Unternehmensberater Lünendonk

Quelle: Johann Stoll, Mindelheimer Zeitung, 23.10.2018

Kein Stein wird auf dem anderen bleiben: Die Digitalisierung krempelt in den nächsten Jahren alle Lebensbereiche um. Den Mindel-heimer Unternehmensberater Jonas Lünendonk schreckt diese Aussicht allerdings nicht. Im Gegenteil. Er sieht in der Vernetzung und der fortschreitenden Automatisierung Riesenchancen. Voraussetzung ist allerdings, dass sich die Firmen möglichst rasch auf die Herausforderungen einstellen. Allen Beschäftigten legte Lünendonk eindringlich ans Herz, sich lebenslang fortzubilden.

Denn eines verschwieg auch der Experte als Gastredner auf einer Veranstaltung der Bürgerstiftung Mindelheim und der Wohn-Baugesellschaft im Forum nicht. Die Digitalisierung wird die Arbeitswelt zum vierten Mal revolutionieren: nach der Erfindung der Dampfmaschine 1784, dem Stromnetz 1870, dem Computer 1969 nun also die Vernetzung und künstliche Intelligenz. Es wird Gewinner geben, aber auch Verlierer.

Will Deutschland seinen Wohlstand halten und seine Rentner gut versorgen, „brauchen wir mehr Kreativität und ständige Weiterbildung“, sagte Lünendonk. Die Arbeit werde anstrengender, „aber vielleicht arbeiten wir dann nur noch sechs Stunden am Tag“. Die vergangenen technischen Sprünge hätten gezeigt, dass die Menschen immer weniger arbeiten mussten und obendrein immer älter werden.

Und so betonte der Gastredner vor allem die Chancen der Digitalisierung. In der Versorgung alter Menschen könnten Roboter eine wichtige Rolle spielen. Autonom fahrende Fahrzeuge könnten alten Menschen ein längeres selbstbestimmtes Leben zuhause ermöglichen. Handwerker, aber auch Krankenschwestern bekommen mit Augmented Reality ein großes Hilfsmittel an die Hand. Mit dieser computerunterstützten Wahrnehmung der Wirklichkeit kann etwa ein Arzt zugeschaltet werden oder der Meister, um fundierte Tipps zu geben. In Zeiten des Fachkräftemangels sieht Lünendonk darin eine gute Entwicklung.

29 Millionen Beschäftigte allein in Deutschland werden von der Digitalisierung maßgeblich betroffen sein, sagte er. Vor allem Berufe im mittleren Einkommensbereich werden unter Druck geraten. Für Geringqualifizierte lohne sich in der Regel der Einsatz von Computern nicht. Regelmäßig wiederkehrende Vorgänge würden automatisiert. In der industriellen Produktion werden ebenso Jobs verloren gehen wie in Banken, bei Steuerberatern, Rechtsanwälten. Betroffen sind aber auch die Logistik, der Handel und das Gastgewerbe.

Handwerker haben zur Zeit zwar volle Auftragsbücher. Aber auch sie sollten im Netz präsent sein. Wer heute einen Handwerker sucht, googelt. Wer sich dort etwa mit Videos gut präsentiert hat bessere Chancen, Kunden zu finden.

Für dringend erforderlich hält Lünendonk den Ausbau des Mobilfunknetzes. Der 5G-Standard müsse möglichst schnell kommen. Sonst werde die Wertschöpfung in China betrieben. Alfred Brugger, der Vorsitzende der Bürgerstiftung, sagte, analog sei Vergangenheit, Digital sei Gegenwart und Zukunft. Die Bürgerstiftung hat Lünendonk als Experten eingeladen, um das Bewusstsein in Mindelheim für die Herausforderungen, aber auch die Chancen zu schärfen. Der Besuch lag mit rund 70 Interessierten unter den Erwartungen angesichts der Tatsache, dass das Thema jeden betrifft.

In der Fragerunde kritisierte eine Frau, dass zu wenig auf die Risiken eingegangen worden war. Lünendonk stimmte dem zu. Bewusst habe er Mut machen wollen. In Deutschland werde schon zu viel gejammert. Er räumte ein, dass das gigantische Datensammeln die Freiheitsrechte bedrohen könne. Wenn Computer Gesichter erkennen können, sei die Privatsphäre in Gefahr.

Auch den allzu sorglosen Umgang vieler Eltern mit den neuen Techniken mahnte der Referent, der selbst Vater ist, an. Nichts hält er davon, einem Zwölfjährigen ein Smartphone in die Hand zu drücken. Abgesehen davon, dass das zu früh ist, sollten Eltern in jedem Fall dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche weder Gewalt noch pornografische Inhalte zu sehen bekommen. Das lässt sich steuern. Und wie? Auf Youtube gibt es zu jedem Problem Lösungsvideos.

Die Digitalisierung betrifft jeden, finden (von links) Jürgen Vogt, Alfred Brugger, Referent Jonas Lünendonk und Florian Schuster. Foto: Johann Stoll, Mindelheimer Zeitung

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